Meine K100RS, Baujahr 1983

...war meine erste BMW nach sechzehn Motorradjahren. Fahrschule 1984 auf Honda CM 400T (damals das Fahrschulmotorrad). Von den dann folgenden Motorrädern sind besonders erwähnenswert: Honda CB 400 Twin, XL 500S, Yamaha XS 850 und Suzuki DR 650 R. Speziell die XS 850 kam meinem Motorradideal mit Kardan und Drehmomentmotor schon äusserst nahe. Leider sind gute Exemplare selten geworden und die Ersatzteile knapp und teuer.

So kam es, dass ich mich für die K100 interessierte. Michael Allners Buch “Gebrauchtmotorräder” tat ein übriges, mich von der Langzeitqualität der BMW zu überzeugen. Schnell ergab sich, dass mein Geschmack vor allem zur K100 Basis tendierte, denn Verkleidungen mag ich nicht besonders. Zudem war die “nackte” K ab Werk erheblich billiger und weniger gefragt. Da musste doch ein Schnäppchen möglich sein ? Gewarnt war ich aufgrund der häufigen Tachodefekte -der eine oder andere gab womöglich den Kilometerstand des “Zweittachos” als original an !

Erstaunlicherweise waren die angebotenen Basismodelle ebenso teuer wie die anderen Versionen. Und jeder K100-Test (von denen ich Unmengen las) begann mit “Die beste ist zweifellos die RS...”. So dehnte ich meine Suche -zunächst widerwillig- auf die RS aus. Auch Anbieter in 700 km Entfernung zog ich in die engere Wahl. Vor allem sollte “meine” K100 original sein, Koffer wären nicht schlecht, und wenig Kilometer wollte ich auch. Das alles sollte rund 5000 DM kosten, was die Auswahl auf die ersten Baujahre beschränkte.

Eines Abends erhielt ich einen Anruf. Eine K100 RS wurde mir angeboten, gut erhalten, Koffer, Erstzulassung 1984, für DM 6000. An sich nichts Besonderes. Mehr beiläufig fragte ich nach dem Kilometerstand. 13.500. Bitte ? 13.500. Sie meinen...? Dreizehntausendfünfhundert, richtig. Von nun an war es um meinen Schlaf geschehen. Konnte der Kilometerstand stimmen ? Wie fährt sich eine RS ? Woher DM 6000,- nehmen ?

Es stellte sich heraus, dass die RS einem Steuerberater gehört hatte, der nach weniger als 10.000 Kilometern einen leichten Sturz mit der BMW hatte. Aus Zeitmangel stand die BMW dann lange herum. Der Zweitbesitzer erwarb sie billig, reparierte die Verkleidung, kam aber ebenfalls kaum zum Fahren. Im Frühjahr 2000 stand sie nun erneut zum Verkauf -mit dem zweiten Reifensatz nach 16 Jahren ! Besichtigung und Probefahrt beseitigten meine Zweifel, zumal BMW selbst bestätigte, dass für diese RS kein “Garantietacho” geliefert wurde. So wurde ich dritter Besitzer einer madisongrünen RS mit Touringkoffern und nachgerüstetem Motorspoiler (den ich inzwischen verkauft habe). Dieses Modell muss übrigens als späte 1983er noch mit Bleiersatz gefahren werden und wurde (bis auf den Tankdeckel) nie bei Nachrüstaktionen vorgeführt. Es geht also kaum originaler. Als kleine Erinnerung daran, dass in Berlin Boxer und Reihenvierzylinder auf einem Band gefertigt wurden, wies meine BMW doch tatsächlich ein Boxertypenschild auf (R100RS, Typ 247) !!! Aber keine Angst: die Rahmennummer wurde nicht verwechselt.

Inzwischen habe ich 10.000 pannenfreie Kilometer zurückgelegt (nach einer gründlichen Inspektion, versteht sich !). Die Verkleidung habe ich schätzen gelernt, den Verbrauch auch, und der fast dieselartige Durchzug erübrigt jede Diskussion, ob es denn “unbedingt 1000 ccm” sein müssen. Das Drehzahlniveau der RS, die ja geringfügig länger als die Serie übersetzt ist, liegt im 5. Gang bei 3000 U/min pro 80 km/h. Bei 120 km/ liegen also 4500 U/min an. Diese Zahlen sind wichtig für mich, weil ich es mir angewöhnt habe, auf den ersten zehn Kilometern bis maximal 3000 U/min zu drehen. Mein Durchschnittsverbrauch liegt bei nur 5,2 Litern (ich tanke Super Plus).

Höchst erstaunlich für meine Begriffe ist übrigens die Mühelosigkeit, mit der die RS hohe Geschwindigkeiten erreicht. Bis zum Einsatz des Drehzahlbegrenzers (Tacho fast 240 km/h !) beschleunigt dieses Motorrad noch ohne langen Anlauf und ohne angestrengt zu wirken. Obwohl solche Übungen wirklich nicht zu meinem Standardrepertoire zählen, ist die unspektakuläre Kraft dieses Motors faszinierend. Die “RS” ist für mich eine Art “BMW Siebener auf zwei Rädern”...

Natürlich gibt es auch an dieser BMW Spuren der Zeit. Der erste Besitzer polsterte die Sitzbank ab; eine vom Zweitbesitzer gebraucht erworbene Originalbank weist einen Riss im Bezug auf. Inzwischen habe ich eine gebrauchte, niedrige Sitzbank bekommen und montiert. Beide Seitendeckel haben abgebrochene Haltelaschen, die bereits repariert wurden. Einen vom Vorbesitzer angebrachten, höchst formschönen Carbonlook-Tankschoner konnte ich zum Glück mit Heißluftpistole und Politur wieder entfernen. Sämtliche dieser Mängel wurden jedoch beim Kauf erkannt, so dass es bislang (toi, toi, toi...) keine Überraschungen gab.

Zur Bedienung: BMW wurde und wird oft wegen der Lenkerschalter gescholten. Ich persönlich habe mich an die Blinkerbetätigung gewöhnt, die Lichtschalter finde ich ebenso gut wie die Start / Stop-Schalter, aber...dass eine Universität nötig wurde, um eine Huptaste so anzubringen, glaube ich gern. Wie kommt man bloß auf die absurde Idee, diesen Knopf senkrecht von unten nach oben betätigen zu lassen ? Die einzige Möglichkeit, diesen Knopf zu finden: indem man nachts um drei vor einem Krankenhaus oder Altenheim den linken Blinker abschalten möchte und den linken Daumen statt dem rechten benutzt...

Toll dagegen: die Warnblinkanlage. Zum Einschalten muss die Zündung an sein (Sabotagesicher !), dann jedoch kann man den Schlüssel abziehen. Gefallen hat mir auch die Blinkerrückstellung, die zeit- und wegabhängig funktioniert. Das Beste ist aber meiner Meinung nach die Kupplung der K100. Wer jemals ein Motorrad mit dieser Trockenkupplung hatte, wird nur noch den Kopf über Kupplungen im Ölbad schütteln. Muss ein Getriebe beim Einlegen des ersten Gangs “krrrraach” machen oder “klong” beim Herunterschalten ? Offensichtlich nicht, beides geht hier absolut lautlos.

Zwar war mir eigentlich der Lenker zu niedrig, aber diese K100 sollte unbedingt original bleiben. Die starke Längsrillenempfindlichkeit des früher mit Metzeler ME33/ME99A bereiften Motorrads wurde mit der Umrüstung des Vorderrads auf ME55A deutlich gemildert, wenngleich nicht beseitigt.

Im August 2003 verkaufte ich diese K100 RS mit Kilometerstand 23.500. Ich hoffe, der neue Besitzer hat ebenso viel Spaß an der RS wie ich. Vielleicht sieht man sich mal beim Flyingbrick-Treffen ?