Das dritte flyingbrick-Treffen 2004

Erneut traf sich die Ziegelsteingemeinde 2004 am Eisenberg, dem höchsten Berg im hessischen Knüllgebirge. Gastgeber war wieder das dort ansässige Hotel, dessen Wirt André Gumula zusammen mit mir die Organisation übernahm. Vom 25. bis 27.6. kamen rund 400 Gäste, die ein nicht nur vom Wetter her sehr abwechslungsreiches Wochenende erlebten. Schon bei der Anfahrt der ersten Teilnehmer am Donnerstag, dem Vortag des eigentlichen Treffens, brachten Orkanböen so manche K ins Schlingern. Glücklicherweise hatte der Wind ein Einsehen und verzog sich bis zum Treffen. Ihm folgten allerdings einige Wolken, und wer am Freitag anreiste, rollte meist in der Regenkombi auf das Gelände. Durchaus kein Problem, denn zwei große Festzelte boten wie im Vorjahr Schutz vor der Witterung. Der Regen merkte schnell, dass er gegen uns den Kürzeren zog und gab gegen Mittag den Weg für erste Sonnenstrahlen frei.

Die wurden dann auch erfreut zur Kenntnis genommen, denn der örtliche BMW-Händler Limberger aus Bad Hersfeld hatte sechs Vorführmaschinen von der F650CS bis zur brandneuen K1200LT mit 115 PS zur Verfügung gestellt. Mancher K-Fahrer überwandt die Hemmschwelle und nahm zum ersten Mal auf dem Reisedampfer Platz. Dank elektrischem Hauptständer fiel das Aufbocken natürlich leicht. Überraschend, dass 400kg während der Fahrt kaum spürbar waren -dennoch ist es ein gewaltiger “Brocken”.

Gleich nebenan hatte der TÜV sein Domizil errichtet und nahm direkt auf dem Treffen Haupt- und Sonderuntersuchungen vor. Einige Eintragungen konnten so an Ort und Stelle vorgenommen werden. Ein Dank noch einmal an Roland Licht vom TÜV Hessen für die spontane Aktion.

Auch Gespannhersteller Falk Hartmann war wieder dabei, gleich drei Gespanne, darunter ein sehr seltenes weißes K1-Gespann aus Kundenhand, stellte er aus. Im Zelt wurden Zubehörartikel von MV Verholen zur Probefahrt angeboten, was begeistert angenommen wurde.

In Windeseile war der Nachmittag vorüber, und der Platz hatte sich mit Motorrädern und Gespannen gefüllt. Natürlich waren auch diesmal Fahrerinnen und Fahrer anderer Motorräder  willkommene Gäste. Ein befreundetes Pärchen mit einer GPz 900R nutzte beispielsweise die Gelegenheit, sich über die ersehnte K1100RS zu informieren, die bald in der heimischen Garage stehen soll.

Zum Abend wurde es wieder kühler, so dass DJ Rainer und unser Lagerfeuer gerade recht kamen, um den Besuchern einzuheizen. Die Gruppen für die Touren am Samstagmorgen wurden eingeteilt, und erst am frühen Samstagmorgen zog es die letzten Leute in ihre Betten. Auch 2004 waren wieder Shuttlebusse im Einsatz, um die Gäste zur Pension und zurück zu fahren. Obwohl diesmal zwei Busse fuhren, waren beide pausenlos unterwegs, so dass teilweise Wartezeiten bis 30 Minuten entstanden. Immerhin betrug die Entfernung einiger Hotels bis zu 10km im Umkreis um den Eisenberg.

Nur wenige Stunden später standen die ersten Fahrer schon wieder im Frühstückszelt, denn bereits um 9:30 begannen die ersten Touren. Heiko, Willi, Karl Heinz, Thomas und Dirk hatten als Ortsansässige wunderschöne Routen durch die Region ausgeknobelt und befreundete Motorradfahrer als Tourguides gewonnen. Ob Rhön, Meißner, Kloster Haina oder der Flugplatz Mosenberg -zwischen 95 und 165km weit fuhren die K-Fahrer bei herrlichem Sonnenschein durch Hessen. Das schöne Wetter wurde auch gebraucht, denn am Flugplatz Mosenberg wartete ein restaurierter Antonov-Doppeldecker auf  interessierte Gäste für Rundflüge über den Eisenberg. Schade, dass dieses Angebot nur von 15 Personen genutzt wurde -dafür interessiert hatten sich immerhin 40% der Treffenbesucher, was bei 400 Leuten 160 Fluggäste bedeutet hätte. So aber hatte die eigens für uns angereiste Antonov-Crew erhebliche Einbußen zu beklagen, was mich doch sehr enttäuscht hat. Unter www.hanseflug.de gibt es Infos zu weiteren Flugveranstaltungen der Firma.

Oben: Mit dem Piano auf dem Flugplatz zu spielen, ist für Hanseflug-Chef Tobias Kloss nichts Ungewöhnliches. Eher schon, dies im Kreise von unerschrockenen K-Fahrern zu tun, die mit der 1000 PS starken Antonov, Baujahr 1958, zu Rundflügen über den Eisenberg abhoben. Die neunsitzige AN-2 ist mit 18,18 Metern Spannweite und über 4 Metern Höhe der größte Doppeldecker der Welt. Rechts am Piano: Pilot Juri Eichwald.

Bild links: Unfassbare 30 Liter Hubraum nutzt die AN-2, um bis zu 5,5 Tonnen Gesamtgewicht selbst auf sehr kurzen Startbahnen sicher in die Luft zu bringen. Der Motor, dessen neun Zylinder sternförmig angeordnet sind, gehört sicher zu den “Schokoladenansichten” der Antonov. Sein gewaltiger Auspuff, der rechts am Flugzeugrumpf angebracht ist, entlässt einen herrlichen Sound.

Ein weiteres Superlativ ist der mit 3,60 Metern Durchmesser nicht eben zierliche Propeller...

Um 14:30 kamen die Touren wieder am Eisenberg an, gerade rechtzeitig. Denn schon um 15:00 folgte die Übergabe der Spenden unserer Handy-Sammelaktion für einen guten Zweck. Die Freunde von
www. flyingbrick .de hatten seit Ende des letzten Jahres alte oder defekte Handys gesammelt. Für jedes dieser für das Recycling vorgesehenen Geräte zahlte die Vodafone-Stiftung Deutschland fünf Euro an den Verein Off-Road-Kids e.V., der sich um Straßenkinder in Deutschland kümmert. Der Vorsitzende des Vereins, Marcus Seidel, war völlig überrascht, Spenden im Wert von 9630 Euro von uns entgegen zu nehmen !

Kaum war diese Übergabe erfolgt, saßen wir schon wieder auf dem Motorrad: Renate und Michael, zwei K-Fahrer aus der Nähe von Mainz, wollten nicht ohne ihre Freunde heiraten -und Freunde haben sie reichlich, so dass eine schier unüberschaubare K-Parade die beiden zur Heirat auf dem nahe gelegenen Schloss Neuenstein begleitete !

Oben: so sieht der Parkplatz des Standesamtes aus, wenn K-Fahrer heiraten. Renate und Michael wurden von schätzungsweise 200 Motorrädern und Gespannen zum Schloss Neuenstein begleitet.

Die Trauung geriet dann auch zum vielbeachteten Ereignis, neben der Hersfelder Zeitung waren der Bürgermeister der Gemeinde und sogar ein Redakteur des mo-Verlags vor Ort. In Heft 10 der BMW-Sonderhefte des Verlags erscheint ein Nachbericht zum Treffen und zu www. flyingbrick .de. Ein weiteres Hochzeitspaar, Julio und Conchita, war als Hochzeitsreise 2200km aus Madrid angereist.

Oben: herzlichen Glückwunsch, Familie Hummel ! In der Mitte das Brautpaar mit Sohn Sebastian, links und rechts die Trauzeugen Marion und Marko -alles K-Fans und Forummitglieder !

Kaum erreichten wir wieder den Eisenberg, stand das Abendesssen auf dem Tisch. Kaum Zeit also, noch schnell an der Wahl der schönsten Fahrzeuge und der nettesten Forummitglieder teilzunehmen. Gegen 20:00 Uhr war es dann so weit. DJ Rainer begann mit dem Abendprogramm und die Preisverleihung geriet zum abendfüllenden Event. Ausgezeichnet wurde eine lagunablaue K1 als schönstes Original, ein Motorrad, das näher am Neuzustand nicht sein konnte. Bei den Umbauten siegte eine K100 Basis II, die mit vielen polierten Teilen beeindruckte. Schönstes Gespann war 2004 wieder das bereits 2002 ausgezeichnete rote EZS-K1100LT-Gespann.

Erstmals wurden besonders hilfsbereite Forummitglieder geehrt. Mit einem Pokal sowie T-Shirts wurden Axel_DAH, Pezi und DetlevMK ausgezeichnet. Die weiteste Anfahrt wurde den beiden Spaniern zuerkannt; erst spät meldete sich ein Norweger, der nach seinen Angaben 2500km gefahren war. Da der Pokal jedoch bereits vergeben war, erhielten er und seine drei Begleiter einen Sachpreis von MV Verholen und Medaillen zum Trost.

Medaillen ? Richtig, erstmals gab es in diesem Jahr keinen Kilometerfresser-Pokal für die K mit dem höchsten Kilometerstand. Stattdessen wurden alle Motorräder über 100.000km ausgezeichnet, die dann in einer endlosen Parade quer durch das Festzelt fuhren. Sechsundvierzig Medaillen waren es für 46 überschrittene Hunderttausender, so dass mehr als fünf Millionen Kilometer durch unser Zelt fuhren. Jede sechste K auf dem Platz gehörte dazu !

Wie immer wurden einige Sachpreise unter den Teilnehmern der Wahl verlost. Zubehörteile von Falk Hartmann und MV Verholen, Bierkrüge, T-Shirts und Kinderspielzeug aus der eigens eingerichteten Spielecke fanden begeisterte Gewinner.

Jetzt aber wurde es Zeit für Ulli, die Freundin von DJ Rainer, die mit einer mitreißenden Tina-Turner-Imitation das Publikum mitriss. Stilecht brachte sie eine umgebaute BMW K75S bis zur Bühne, wo sie eine großartige Show bot. Noch ein weiteres Mal stand sie an diesem Abend als Freddy Mercury von Queen auf der Bühne.

Die Treffengäste hatten für beide Hochzeitspaare und den Sohn der Mainzer gesammelt, um Ihnen einen Rundflug am Sonntagmorgen zu ermöglichen. Da der Spanier jedoch unter Flugangst leidet und die Mainzer gesundheitlich etwas angeschlagen waren, einigte man sich schlussendlich auf ein Candlelight-Dinner zu viert. Erst um 5:30 war die Nacht zum Sonntag zu Ende -da blieb gerade noch Zeit, das Frühstück vorzubereiten. Währenddessen hatte der Regen wieder eingesetzt, und so sattelten die meisten Gäste ihre K so, wie sie angekommen waren: in der Regenkombi. So mancher K-Fahrer blieb diesmal bis zum Mittag, denn mit abnehmender “Besucherdichte” ergaben sich dann doch wieder viele intensive Gespräche, zu denen vorher schlicht die Zeit fehlte. So gab es von allem etwas: von Romantik bis Hardrock, vom Massenkonvoy bis zum Benzingespräch...und vom Sonnenschein bis zum Regen ja sowieso. Eben abwechslungsreich wie immer...