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Das BMW Werk

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Das BMW-Werk

...baute nicht immer Motorräder. Im Jahr 1916 gründeten Max Friz und Karl Rapp in München die “Bayerischen Flugzeugwerke AG”. Ab 1917 fertigte der zuvor bei Daimler beschäftigte Max Friz unter dem Markennamen “Bayerische Motorenwerke GmbH” BMW-Flugzeugmotoren. Schon zwei Jahre später stellte ein mit BMW-Motor ausgerüstetes Doppeldecker-Flugzeug den Weltrekord im Höhenflug auf: 9700 Meter, dies entspricht fast der Reiseflughöhe moderner Verkehrsflugzeuge ! Aus dieser Zeit stammt übrigens das Firmenlogo von BMW, das bekanntlich einen stilisierten Propeller vor blauem Himmel zeigt.

Als der Versailler Vertrag 1919 das deutsche Reich zum Urheber des ersten Weltkrieges (1914-1918) erklärt, wird den Deutschen jegliche Luftfahrtentwicklung untersagt. Aus diesem Grund beschäftigt sich Max Friz in der Folgezeit, der Not gehorchend, mit dem Bau von Stationär,- Boots- und LKW-Motoren. Schon kurze Zeit später entwickelte Friz zusammen mit Martin Stolle, einem jungen Ingenieur, den ersten Motorradmotor von BMW: einen 500ccm-Boxermotor mit zwei Zylindern, Typ M2B15, der 1921 Serienreife erlangte. Dieser Motor, Leistung 6,5 PS, wurde von Konfektionären wie Victoria eingebaut. Da die Verkaufszahlen jedoch hinter den Erwartungen zurück blieben, wechselte Martin Stolle zu Victoria, und BMW beschloss, nunmehr selbst Motorräder zu bauen.

Die ersten BMW, Typ “Helios” und “R32”

R32-Fertigung anno 1923

Die R32, die erste “echte” BMW

Das erste Motorrad, Typ “Helios”, verwendete 1922 eben diesen M2B15- Motor. Da jedoch das Fahrwerk damaligen Ansprüchen nicht genügte, war der Helios kein grosser Erfolg beschieden. Daher wurde als Nachfolger 1923 die R32 entwickelt, die erste BMW, die in nennenswerten Stückzahlen gefertigt wurde (bis 1926 3100 Exemplare). Dieses Motorrad wies bereits die für BMW später als typisch geltende Motoranordnung auf: Zweizylinder Boxer, quer eingebaut, Kurbelwelle in Längsrichtung zum direkten Antrieb des Kardans ohne Umlenkung. Der Ring rechts vom Hinterrad ist die Keilklotzbremse, deren Felge durch einen Holzklotz abgebremst wurde. Ab1926 stand der Nachfolger R42 bereit, die bereits eine Kardanbremse hinten aufwies, und ab 1935 schließlich, mit Erscheinen der R12, wurden vorn und hinten Trommelbremsen verbaut. Die R12 war übrigens das erste Motorrad mit hydraulisch gedämpfter Telegabel ! Vorder- und Hinterrad waren austauschbar. Bereits 1926 erschien die R62, eine BMW, deren Hubraum von 750ccm erst 1973 mit Erscheinen der R90 überboten wurde. Während des zweiten Weltkrieges wurden keine zivilen BMW gebaut, sondern militärisches Gerät wie das Wehrmachtsgespann R75 mit Seitenwagenantrieb, Differential und 8 Gängen, davon zwei Rückwärtsgänge.

Nach 1945

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, alle weiteren gebauten Modelle zu beschreiben, daher nur kurz einige Highlights:

ab 1946-1966 Bau der Einzylindermodelle R24, R25, R26, R27 mit stehendem Zylinder
1952 erreicht mit der R68 die erste Serien-BMW 100 Meilen (160 km/h)
1970 mit der “/5”-Serie hält die neue Generation Einzug, Hubraum 500-750ccm, Telegabel
1973 die R90S, die erste 900er BMW und die erste serienmäßige Verkleidung der Welt
1975 Das 100.000. Motorrad wird in Berlin gebaut
1976 Vorstellung R100RS mit der ersten Serien-Vollverkleidung, im Windkanal entwickelt
1980 erscheint mit der R80 G/S die erste BMW-Enduro (800ccm, 50 PS, Monolever)
1983 Vorstellung der K100 als Wegbereiter der neuen K-Serie, erster BMW-Vierzylinder...
...dem 1985 der K75-Dreizylinder und 1991 K1100 sowie 1997 K1200 folgten.
1993 Einführung der neuen Vierventil-Boxer R1100, später R1150 und R1200
1993 wurde mit der F650, einem Aprilia-Joint-Venture, BMWs Funduro mit Kettenantrieb gebaut
1999 schließlich der C1, ein Stadtroller mit Dach und 125ccm-, ab 2001 auch 200ccm-Viertaktmotor.
2001 verlässt die 1.000.000. BMW das Werk in Berlin.

Umzug nach Berlin

Zurück zum BMW-Werk: Die Fertigung der Motorräder erfolgte seit 1926 in München, wo insgesamt 440000 Motorräder gebaut wurden. Bereits 1939 hatte die BMW AG die ehemaligen Brandenburgischen Motorenwerke, kurz BRAMO, gekauft und das 1928 gebaute Werk in der Berliner Straße “Am Juliusturm” übernommen. Zu Kriegszeiten wurden dort -wieder einmal- Flugzeugmotoren gebaut, u.a. für die legendäre “Junkers JU52”. Nach Kriegsende, man kennt es schon, wird die Flugzeugteileproduktion untersagt. Nach Demontage von Werkseinrichtungen seitens der Alliierten werden bis 1948 in Berlin Kochtöpfe (!), Sensen und Sicheln hergestellt sowie Autos repariert.1948-1966 fertigt BMW in München Ersatzteile.

Oben: 1967 wurde das erste Motorrad in Berlin-Spandau fertig gestellt, eine R60/2.
Für die Fertigung genügten damals 30 Mitarbeiter, insgesamt beschäftigte das Werk 400 Personen in Berlin. Fast alle Teile wurden direkt im Werk hergestellt

1966 schließlich verlegt BMW seine Motorradproduktion schrittweise nach Berlin; ein Vorgang, der 1969 abgeschlossen ist. Seither werden bis auf die von GETRAG in Ludwigsburg gefertigten Getriebe alle BMW-Motorräder in Berlin gefertigt -erst die von 1993 bis 2000 bei Aprilia in Noale (Italien) gefertigte F650 “tanzte aus der Reihe”. Der Rahmenbau wird 1978 nach Berlin-Reinickendorf ausgelagert.

Das BMW-Werk in Berlin-Spandau

Automatische Verpackung einer K100RS

Die Entscheidung, mit der K-Serie die Motorradproduktion weiter zu führen, bedingt 1980 den Bau der Halle 5. In das Motorradwerk werden in den folgenden drei Jahren mehr als 300 Millionen Mark investiert und so auf 155.000 qm das modernste Motorradwerk Europas geschaffen. Die Neueröffnung des Werkes am 1. März 1983 nimmt der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl persönlich vor. Obwohl das Werk hochtechnologisiert ist, wird an kritischen Stellen nach wie vor von Hand gearbeitet: das Schweißen der Rahmen etwa vertraut man den Mitarbeitern an. Hingegen wird die K100-Kurbelwelle vom Rohling bis zum fertigen Produkt computergesteuert hergestellt, ohne dass ein Mensch eingreifen müsste. Schlussendlich durchläuft eine K100 Basis das Gesamtprogramm in vier, eine verkleidete K100 in fünf Stunden, bis schließlich eine vollautomatische Anlage das Motorrad in die Transportverpackung hüllt. Alle drei Minuten verließ so eine K100 die Bandanlagen. Zur Blütezeit der K100, im Jahr 1984, waren 1800 Mitarbeiter im Werk Berlin beschäftigt, inzwischen sind es sogar über 2500. Ob Max Friz das 1916 geahnt hätte ?