Ich bin viel zu deutsch für die Ukraine

Am 10. Juli 2019 ist es genau ein Jahr her, dass ich mit dem K-espann die Grenze zur Ukraine überquert habe. Und dieses Jahr hat eine besondere Bedeutung - das ist genau die Frist, in der ich in der Ukraine legal mit meiner deutschen Fahrzeugzulassung fahren darf. Nach einem Jahr müsste ich als jemand, der einen Wohnsitz in der Ukraine hat, ein ukrainisches Kennzeichen beantragen.


Nun hat das aber so seine Haken und Ösen: Wäre ich mit einem Auto hier in der Ukraine, dann hätte ich ein Diplomatenkennzeichen bekommen und der Drops wäre gelutscht. Aber - für Motorräder gibt es in der Ukraine keine Diplomatenkennzeichen (im Gegensatz zu anderen ehemaligen Sowjetrepubliken - in Georgien hatte ich ein Diplomatenkennzeichen an meinem Dnepr Gespann). Diese Lösung fällt also weg. OK - dann eben ein ukrainisches Kennzeichen. Aber - das geht auch nicht, dafür müsste ich in Kharkiv amtlich gemeldet sein. Das bin ich aber nicht, ich bin über meinen Arbeitgeber in Kiev gemeldet, da dort der Hauptsitz ist.


Aber alles kein Problem. Ich habe beruflich sowohl mit der ukrainischen Polizei, dem Grenzschutz und dem Zoll zu tun. Die haben doch mit Sicherheit eine legale Lösung für mich. Und was sie mir unabhängig voneinander als legale Lösung anbieten, haut mich fast vom Hocker.


"Da fährst Du halt mal nach Hoptivka zum Grenzübergang zur Russischen Föderation (Anmerkung des Verfassers: 40 km nördlich von Kharkiv), drehst im Niemandsland um und reist dann wieder in die Ukraine ein. Dadurch hast Du dann wieder ein Jahr Zeit. Aber pass auf, dass Du vor den russischen Grenzschützern umdrehst. Und nächstes Jahr machst Du genau dasselbe."


Leute, das kann es doch nicht sein? Oder doch? Alle drei versichern mir hoch und heilig, dass diese Lösung in der Ukraine nicht nur gängige Praxis sondern auch absolut legal ist. Das machen alle so, die mit in der EU gekauften Fahrzeugen und den entsprechenden Kennzeichen in der Ukraine fahren - und das sind nicht wenige, da sie so Steuern und Einfuhrzölle sparen.


OK - also habe ich es heute Nachmittag auch so gemacht. Eine Stunde habe ich für die Ausreise gebraucht, nur um dann festzustellen, dass man im Niemandsland nicht umdrehen kann, die Fahrbahnen sind mit Metalgittern und Betonblöcken voneinander abgetrennt. Ich habe dann das K-espann im Niemandsland stehen lassen und habe dem russischen Grenzer mit meinen bengrenzten Russischkenntnisssen klarmachen können, dass ich gar nicht in seine schöne Heimat einreisen möchte (Anmerkung des Verfassers: Noch nicht - in sechs Jahren plane ich drei Monate Russland und die Mongolei zu bereisen, allerdings wohl eher mit einem Mitsubishi Pajero und nicht dem K-espann), sondern so schnell wie möglich in die Ukraine zurück möchte. Er hat dann nur gegrinst und mir gesagt, dass ich mal mit dem ukrainischen Grenzer 100 m hinter sprechen soll, der kann die Barriere auf der Strasse öffnen und mich wieder rüberlassen - was ich dann auch gemacht habe.


So - danach nochmal eine halbe Stunde für die Wiedereinreise in die Ukraine und jetzt ist mein K-espann wieder für ein Jahr legal mit meiner deustchen Zulassung in der Ukraine unterwegs.


Nachdem ich wieder auf sicherem ukrainischen Boden war, habe ich mir erstmal einige Zigaretten, einen Kaffee und eine Cola gegönnt.


Irgendwie sind diese pragmatsichen Lösungen ja so gar nichts für mich - ich glaube echt, ich bin zu deutsch für die Ukraine.


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Ein Foto vom K-espann mit dem Grenzübergang Hoptivka im Hintergrund, nachdem ich glücklich wieder auf ukrainischem Boden war.


Gruß aus Kharkiv

Comments 4

  • ...und das Alles ohne pekuniäre Unterstützung ?? Wenn ich das mit meinem Tankzug mache , wirds teuer , das is Fakt . Viel Erfolg weiterhin und denk´ans Makro ... ;)
  • Habedere, manchmal kann auch ein krummer Weg der direkte Weg zum Ziel sein.;-)
  • Man kann seine Herkunft nicht leugnen, aber sich den "landerspezifischen Eigenschaften" anpassen! Glückwunsch zur Legalität :-)
  • Solche Lösungen gefallen mir, erinnern an früher auch wenn ich nicht allzuviel davon mitbekommen habe.